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Der BioEnergieDialog und der Waldbröler Gewerbepark Am Boxberg als Piloten bei GETMin

Der BioEnergieDialog und der Waldbröler Gewerbepark Am Boxberg als Piloten bei GETMin

 getminmitHimmel

Energieeffizienz über die Unternehmensgrenze hinaus

Wuppertal, im September 2015

Bis 2050 will die Bundesregierung den Bedarf an Primärenergie um 50 Prozent senken – so lautet die politische Vorgabe. Das ist aber nur zu erreichen, wenn in allen Lebensbereichen Energie eingespart wird. 40 Prozent der Energie verbraucht Deutschland fürs Wohnen. Deshalb soll der Wärmebedarf des Gebäudebestandes bis 2020 um 20 Prozent sinken. Bis 2050 sollen Häuser nahezu klimaneutral sein, also den eigenen Bedarf nur aus erneuerbaren Energien decken. Laut dena 1 werden bis 2020 der Industrie 11% Energieeinsparpotential und dem Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungen sogar 16% zugeschrieben.

Im Gewerbe, Handel und bei den Dienstleistungen setzt GET.Min (Gewerbepark, Energie-, Technologie- und Management-Informationsnetzwerk) an. GETMin ist ein vom Bundesumweltministerium (BMU) gefördertes Projekt, das die Ruhr Universität Bochum, die econius GmbH und die EnergieAgentur.NRW gemeinsam entwickelt haben. Mit Hilfe von web-basierten Tools und dem „Parkranger für Energie“ werden Unternehmen in die Lage versetzt ihre eigenen Energieeinsparpotentiale zu identifizieren und den innovativen Schritt zu gehen, Einsparpotentiale nicht nur innerhalb des eigenen Unternehmens zu heben, sondern über die Unternehmensgrenzen hinweg. Ein Beispiel dafür ist die nicht benötigte Abwärme eines Unternehmens, die sonst über den Schornstein abgeführt wird, einem benachbarten Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Oder der gemeinsame Betrieb von Blockheizkraftwerken (BHKW), Druckluftanlagen oder PV-Anlagen. Die Liste ist beliebig erweiterbar, wobei während des Projektes auch viele kleine Synergien gefunden wurden, wie zum Beispiel der gemeinsame Betrieb einer Lkw-Waage, der gemeinsame Einkauf von LED-Lampen oder das Abhalten von gemeinsamen Schulungen, wie Beispielsweise Ersthelferschulungen etc…

All diese großen und kleinen Synergien, die direkt oder indirekt Energieeinsparungen zur Folge haben, sind von einem Mann vor Ort, dem „Parkranger für Energie“. initiiert worden. Der Parkranger, der während des Projektes den teilnehmenden Unternehmen zur Verfügung stand, hat jedes Unternehmen dabei unterstützt auch die eigenen Energieschwachstellen zu finden. An besonders interessanten Stellen, mit einem hohen Energiebedarf wurden Messungen vorgenommen, die es ermöglichten, Lastgänge – und somit ein Energieprofil des Unternehmens – anzufertigen. In mehr als in einem Fall konnte der Parkranger dem Unternehmer ganz neue Erkenntnisse über seinen Strom- und Gasverbrauch aufzeigen. Mit den oben genannten Maßnahmen und mit dem hohen Fachwissen des Parkrangers konnten schnell Einsparungen identifiziert und umgesetzt werden.
Ein weitere Baustein des GET.Min Projektes waren die Schulungen und Workshops des Parkrangers. Hiermit wurden den Unternehmen Fachwissen zu den unterschiedlichsten Themengebieten angeboten, wie zum Beispiel Druckluft, elektrischer Strom usw…
Für alle Firmen hat sich die Teilnahme gelohnt, schließlich bekamen sie alle ihre Aktivitäten durch Teilnahmeurkunden dokumentiert. Der wichtigste Effekt ist aber, dass sich die Energieverantwortlichen der Unternehmen kennengelernt haben und somit eine Basis für den Austausch zwischen den Unternehmen geschaffen wurde. Als Kristallisationspunkt war der Parkranger für die Unternehmen immer ansprechbar.

In der BioEnergieRegion Oberberg hat der Gewerbe- und Industrieverein Waldbröl e.V. dieses Angebot intensiv genutzt, um gemeinsam dem CO2 Ausstoß zu reduzieren und Synergien zwischen den unterschiedlichen Branchen aufzuspüren.

So ist in dem Pilotgewerbepark im Industriegebiete am Boxberg in Waldbröl, wie auch in den anderen beteiligten Gewerbeparks in Viersen, Medebach, Siegen und Waldbröl der Name „Parkranger für Energie“ sofort positiv mit den Begriffen Energie und sparen verbunden.

Neben dem Parkranger für Energie wurde ein web-basiertes Tool entwickelt mit dem, kommunale Vertreter wie zum Beispiel Wirtschaftsförderer Gewerbegebiete energetisch untersuchen können, Einsparpotentiale ohne technische Vorkenntnisse vom Schreibtisch aus grob identifizieren und damit Effizienzprojekte anzustoßen. Die Hilfsmittels, welche diese Potenziale sichtbar machen und durch eine zweistufige Abschätzung die Synergiepotenziale identifizieren und analysieren, nennen sich Quick- und Detail-Check.

Im ersten Teil, dem Quick-Check, hat der Nutzer die Möglichkeit, ein Gewerbegebiet im Tool nachzubilden. Anschließend wird anhand der Branchenzugehörigkeit und Mitarbeiteranzahl der einzelnen Unternehmen abgeschätzt, ob das Potenzial besteht, Wärme oder Kälte zwischen den Unternehmen auszutauschen. Im zweiten Teil, dem Detail-Check, können die Unternehmen, bei denen ein energetisches Synergiepotenzial festgestellt wurde, näher untersucht werden. Hierzu müssen Strom- und Wärmelastgänge erstellt werden, anhand derer abgeschätzt wird, ob die Möglichkeit besteht, Wärme oder Kälte auszutauschen. Darüber hinaus gibt das Tool hinweise, ob die gemeinsame Anschaffung eines BHKW oder einer Photovoltaikanlage sinnvoll ist. Um die Strukturen des Gewerbeparks zusätzlich zu nutzen, wird eine Reststoffbörse eingerichtet. Hier können die Unternehmen Reststoffe anbieten, die sie entweder mit einem anderen Unternehmer aus dem Gewerbegebiet gemeinsam entsorgen können, oder der Nachbar vielleicht sogar selbst weiterverwerten kann.
Eine der größten Hürden bei der Analyse der unternehmensspezifischen Energieströme bildet die Abbildung des Strom- oder Wärmelastgangs. Einige Unternehmen kennen ihre Lastgänge sehr gut, andere wiederum können gerade einmal den Gesamtverbrauch für ein Jahr angeben. Auch hier wurde die Zielgruppe der „Nicht-Techniker“ nicht aus den Augen verloren, mit Hilfe von typisierten Lastgängen und einfach zu beantwortenden Fragen werden dem Tool alle benötigten Daten zur Verfügung gestellt. Interessierte Wirtschaftsförderer oder kommunale Mitarbeiter können sich bei der EnergieAgentur.NRW melden, um einen Zugang zu dem Tool zu erhalten und es kostenfrei zu nutzen.

Das gebündelte Wissen des Parkrangers wird zudem allen Interessenten weiterhin durch GET.Min 2.0 zur Verfügung gestellt. Die econius GmbH hat sich bereiterklärt, GET.Min über die Pilotphase hinaus weiterzuführen. Weitere Informationen gibt es bei der econius GmbH. Die Kontaktdaten unter www.getmin.de.

Quelle:

1 dena, „Abschätzung: Wirtschaftlich erschließbare Endenergieeinsparpotenziale in Deutschland bis 2020“; 18.09.2012